Wer darf was wissen? Und wessen Wissen gilt überhaupt als Wissen? Guilty Knowledge untersucht eine oft übersehene Seite des Wissensmanagements: Wissen besitzt nicht nur einen Inhalt, sondern auch eine soziale Herkunft. Dieselbe Beobachtung kann als Expertise, Erfahrung, Anekdote oder bloße Vermutung gelten, abhängig davon, wer sie äußert, woher sie stammt und in welchem organisationalen Kontext sie auftritt. Ausgangspunkt sind alltägliche Sätze wie Das ist nur meine Erfahrung, Ich habe dazu einen Podcast gehört, Ich bin kein Experte, aber. . . oder Ich habe ChatGPT gefragt. Ulrich Wirth zeigt, wie solche Formulierungen auf verborgene Hierarchien des Wissens verweisen. Organisationen entscheiden nicht nur darüber, welche Informationen verfügbar sind. Sie prägen auch, wem Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird, welche Quellen als seriös gelten, wessen Erfahrungswissen Gehör findet und wer seine Erkenntniswege zunächst rechtfertigen muss. Das Buch verbindet Wissensmanagement und Organisationssoziologie mit Erkenntnistheorie, Bildungswissenschaft und aktuellen Fragen rund um generative KI. Es behandelt Erfahrungswissen und Intuition ebenso wie Expertise, Quellenhierarchien, epistemische Teilhabe, psychologische Sicherheit, Status und die soziale Bewertung von KI-Nutzung. Dabei verteidigt Guilty Knowledge weder Beliebigkeit noch alternatives Wissen. Qualitätsunterschiede, Expertise und wissenschaftliche Standards bleiben unverzichtbar. Entscheidend ist eine andere Unterscheidung: Wie gut trägt ein Wissen? Und was wird aus seinem Gebrauch über den Wissenden geschlossen? Ein Buch für alle, die sich mit Wissensmanagement, Organisation, Führung, Bildung und KI beschäftigen. Und für Menschen, die sich schon einmal gefragt haben, warum eine gute Beobachtung manchmal erst dann zählt, wenn sie von der richtigen Person kommt.